Auszeichnungen wie der iF Design Award des Vereins Industrie Forum Design beweisen, dass CLAAS Maschinen ihrem Vorreiteranspruch gerecht werden. Und das Design-Team um Alain Blind hat noch viel vor auf dem Weg zu einer emotionaleren Markenwirkung. Das Element, mit dem alles begann: das Y.

Robert Habi

Designkompetenz bei CLAAS

Alain Blind hat seit 2014 das Industriedesign-Team bei CLAAS aufgebaut. Seitdem sorgen er und zehn Kolleginnen und Kollegen für eine reibungslose Nutzererfahrung, gute Ergonomie, emotionale Maschinenoptik und eine intuitive Maschinenbedienung.

Herr Blind, was steckt hinter dem Y-Design?

Unser Design übersetzt die Werte Bodenhaftung, Begeisterung und Bewegung in wiedererkennbare Formen und Farben. Das Y selbst ist dabei das zentrale Element und mittlerweile eine geschützte Positionsmarke. Es dient als dreidimensionale Klammer, die die Kraft der Maschine ästhetisch umschließt. Bekannte Formen wie etwa der Boomerang, der unter an­derem am Radkasten zu sehen ist, genauso wie der hellgraue Sattel als Bühne für das Logo, gehören dazu.

„Wir wollen weg vom maschinen-spezi­fischen Mikro­design, das wir 35 Jahre lang hatten, hin zu einem markenge­prägten und holis­tischen Makrodesign.“
Alain Blind

Welche Wirkung soll das Erscheinungsbild erzeugen?

Unsere Maschinen sollen trotz ihrer individuellen Eigenschaften eine einheitliche Ausstrahlung haben, auch wenn sich Architektur und Layout eines Mähdreschers grundlegend von denen eines Traktors unterscheiden. Es geht immer um die Balance zwischen Leistung und Emotion. Wir sind längst keine reinen Maschinenbauer mehr. Genauso wie sich die Landtechnik heute vor allem durch intelligente Elektronik und Daten weiterentwickelt, müssen wir als Marke emotionaler werden und für die Nutzer fast wie ein Hobby sein. Für diese Balance pflegen wir das Wort Kraftintelligenz: kontrollierte Power, die offen mit dem Umfeld in der Landwirtschaft und den Menschen darüber hinaus interagiert. Wenn jemand im Auto einem Traktor begegnet, soll er keine Angst bekommen, sondern eine Verbindung von Mensch und Natur in Form von professioneller Kraft sehen.

Auf dem Cover des Geschäftsberichts blitzt es schon auf: Das Y als geschützte Positionsmarke und zentrales Element soll auf allen künftigen Maschinen für eine einheitliche Erscheinung sorgen.

Wie bringt CLAAS das Design in allen Produkten auf den Acker?

Das Thema ist in der obersten Konzern­ebene verankert und wir sind Teil des Lead Engineering, also im Kreis der Entscheider, wenn es etwa um die Entwicklung einer durchgehenden Produkt­erfahrung geht. Diesen Gedanken treiben wir im Unternehmen voran. Seit 2015 kommt das komplette Design von uns, davor haben wir 35 Jahre lang mit externen Partnern gearbeitet. Doch um kon­sequent alle Maschinen aus dem Markenkern heraus zu denken, braucht es Designkompetenz im eigenen Haus.

Wo sehen Sie noch Potenzial für Optimierungen?

Wir wollen noch dynamischer werden. Das heißt, einfach ganzheitlich zu denken und die Maschinen von allen Ansichten her zu emotionalisieren. Mit dem LEXION als Blockbuster ist das ganz gut gelungen. Dennoch haben wir Bereiche, wie den Fahrerarbeitsplatz, in denen wir technisch und maschinenbaulich top sind, unser Design sich aber noch näher am Nutzer orientieren kann. Hier wollen wir noch hochwertiger und integrierter werden, um den Menschen noch besser mit der ihn umgebenden Technik zu verbinden. Die Technik soll begeistern.

Wie sieht der Fahrplan für die Zukunft aus?

Als Nächstes starten die Traktoren im Y-Look, danach die Feldhäcksler. Auf vielen Zusatzgeräten, wie den Pressen, sind wir schon weiter. In den nächsten drei bis vier Jahren wollen wir das Familiendesign portfolioübergreifend etablieren. Vergleichbar etwa mit der Kühlergrill-Niere von BMW soll das Y dann alle Fahrzeuge optisch umfassen, das ist branchenweit einzigartig.

Weitere Artikel