Der
Maschinen-
flüsterer

Maschinenausfall. Ein Wort, das ein Landwirt nicht gerne hört. In der Erntezeit am wenigsten. Wenn es ernst wird, sind Marten Höper und seine Kollegen aus dem CLAAS Service zur Stelle und machen die Landmaschinen wieder fit. Im Gespräch über den Einsatz modernster Technologie auf entlegensten Äckern, den Wert von Erfahrung und denkwürdige Einsätze wird die Leidenschaft des Kundendienst­technikers für seinen Beruf deutlich spürbar.

Florian Lehmann


Marten Höper wollte ursprünglich Landwirt werden, hat sich letztlich aber dagegen entschieden. Seine früh entdeckte Leidenschaft für Landmaschinen lebt er seit 2014 bei CLAAS aus. Erst als Landmaschinen­mechaniker, später als dualer Student der Agrartechnik und inzwischen als Kundendiensttechniker bei der CLAAS Service & Parts GmbH.

Herr Höper, was passiert, wenn eine CLAAS Maschine streikt?
Da gibt es drei Stufen bei CLAAS: Der Händler vor Ort ist immer der erste Ansprechpartner. Wenn der das Problem nicht lösen kann, wendet er sich an den nationalen Support und im letzten Schritt werden wir vom internationalen Kundendienst hinzugezogen. Wir gehen das Problem oft erstmal aus der Ferne an. Ganz neu und in der Erprobung ist dabei gerade der „Ghost Technician“, bei dem sich der Kundendiensttechniker mithilfe einer App auf das Smartphone des Kollegen vor Ort schalten kann. Mit der Technologie können wir dank der Kamera des Smartphones Fotos und Videos sehen und direkt mit sehr konkreten, praktischen Tipps weiterhelfen. Falls das nicht reicht, dann wird es spannend. Denn dann heißt es: Koffer packen, selber machen.

Bevor Sie sich auf den Weg machen, was packen Sie auf jeden Fall ein?
Neben dem passenden Werkzeug packe ich immer meinen Laptop mit der Diagnosesoftware ein und das passende Interface-Kabel, um die Zustands­parameter der Maschine auszulesen: Was sagen Temperatur- oder Drehzahlsensoren, welche Teile sind vielleicht ausgefallen? Ganz wichtig sind auch digitalisierte Reparaturhandbücher, Schalt- und Kabelpläne. Bei den neueren Modellen kann ich per ­Remote Service außerdem die exakte Position der Maschine bestimmen, erste Informationen zum Zustand erhalten und schon im Vorfeld die wahrscheinlich benötigten Ersatzteile besorgen. So bin ich ­besser vorbereitet.

Und so gerüstet geht es dann zu Kunden auf der ganzen Welt …?
Genau. Nach Rumänien zum Beispiel. Dort ist das Getriebe eines ATOS Traktors so heiß gelaufen, dass mehrere Bauteile kaputtgingen – Scheiben, Lager, Wellen. Das Problem dabei: Auch nachdem der Händler das Teil mehrfach vermeintlich repariert hatte, lief es heiß. Man muss das ganze System eben sehr gut kennen und verstehen. Gerade in kleinen Werkstätten können Sie, auch bei sehr gutem Fachwissen, einfach nicht Experten für 20 verschiedene Land­maschinen haben. Deshalb wurde ich losgeschickt.

Als ich beim Kunden ankam, lag das Getriebe zerlegt auf dem Sandboden des alten Schweinestalls. Ich habe es dort direkt einmal zusammengesetzt und genauer untersucht. Dabei habe ich gemerkt, da ­bewegt sich etwas, wo sich nichts bewegen sollte. Die Lösung kam dann mit dem Blick auf die Explo­sionszeichnung: Unter einem Zahnrad hat eine einzige, etwa einen Millimeter dicke Unterlegscheibe gefehlt. Nachdem ich diese ersetzt hatte, war das Problem schnell erledigt.

Sie arbeiten auch mit Vorserienmaschinen im Testeinsatz. Eine völlig andere Arbeit, oder?
Vorserienmaschinen sind total spannend. Diese ersten Exemplare gehen an ausgewählte Kunden – und zwar unter besonderer Beobachtung. Denn trotz aller Tests ist nicht jeder Einsatz unter allen Bedingungen bis ins Letzte erprobt. Die gewonnenen Erfahrungen müssen dann schnell in Entwicklung und Produktion zurückfließen. Deshalb betreuen wir diese Maschinen, bei denen manches Problem noch unerwartet auftritt. Wenn etwas passiert, musst du improvisieren, damit es schnell weitergeht. Da ist die eigene Erfahrung Gold wert.

Wie kann man sich das vorstellen?
Ein Beispiel: Bei einem Vorserienmodell des AXION TERRA TRAC haben wir festgestellt, dass der Traktor trotz zweier 300-Liter-Tanks mehrmals täglich betankt werden muss. Wir haben uns das angeguckt und gemerkt, dass aus einem der Tanks gar kein Kraftstoff zum Motor gelangte. Es hatte sich ein Unterdruck in einer Leitung aufgebaut. Wir haben uns also überlegt, wir verlegen den Schlauch anders, und so haben wir das Problem behoben. Solche Vor-Ort-Lösungen geben wir immer an die Technische Entwicklung weiter – mit einem ausführlichen Bericht. Die Kollegen prüfen dann alles auf Herz und Nieren und in dem Fall wurde unsere Lösung fast genauso ins Serienmodell übernommen. Das war cool.

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