Bei Anruf Ernte

Kosten reduzieren, Eintrittsbarrieren für Kunden senken oder Pflanzenbau in Städten fördern: Farming as a Service und Mietmodelle zeigen sich in vielen Facetten. Die Beispiele beweisen: Technologie und flexible Vertragsmodelle können Landwirten und Vertragspartnern in Zukunft helfen.

Robert Habi

Spitzenbrecher

Kurzmiete für Traktoren: kein Umsatztreiber, dafür umso mehr aus Kundensicht gedacht

Ist die Getreideernte gestartet, sind Menschen und Maschinen im Dauereinsatz. CLAAS Analysen in Polen und anderen Ländern haben in 2018 gezeigt: Kleinere Betriebe und auch Lohnunternehmer wünschen sich immer öfter zusätzliche Maschinenpower für kurze Zeit. Am häufigsten werden Traktoren nachgefragt, nicht zuletzt, weil sie vielseitig einsetzbar sind: Heu transportieren, Stallarbeiten erledigen oder in der Erntezeit Getreide ab­fahren. So entstand als Erweiterung zum Kerngeschäft FIRST CLAAS RENTAL, die Kurzmiete für Traktoren. Mehrere Dutzend Maschinen können über Händler an zehn Stationen in Deutschland gemietet werden. Dabei wählen die Kunden vom ARION 400 mit 90 PS bis hin zum über 400 PS starken AXION 950, was sie brauchen. Neben dem Abfedern der Arbeitsspitzen gibt es noch mehr Vorteile für Kunden und auch für CLAAS: Wer über einen Kauf nachdenkt, hat mit einem Miet­traktor ausreichend Zeit, seine eventuelle Neuanschaffung zu testen. Und weil das Mietenmodell seit mehr als zwei Jahren gut ankommt, hat CLAAS es nach Dänemark ausgeweitet, wo der CLAAS Importeur FIRST CLAAS RENTAL als eine Art Franchise anbietet. In Deutschland sind durch eine Kooperation mit dem Landtechnik-Anbieter Amazone mittlerweile auch Anbaugeräte wie ein Grubber oder eine Scheibenegge verfügbar.

Roboter gegen Unkraut

Unabhängiger dank neuer Erntehelfer

Die Corona-Pandemie hat verdeutlicht, wie abhängig manche Betriebe von Feldarbeitern sind. Nicht nur deshalb kommt in der Landwirtschaft das Modell „Robots as a Service“ immer mehr ins Rollen. Analysten schätzen das weltweite Marktvolumen für Agrarroboter, wie Melkautomaten, Drohnen und Ernteroboter, unterschiedlich ein. Die Spanne reicht von 7 bis 20 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025. Abgesehen von den etablierten Melkrobotern sind dabei Unkrautentfer­nungsroboter, die pestizidfrei Pflanzen bearbeiten, die Gewinner. Allerdings sind sie mit 30.000 bis 100.000 Euro vergleichsweise teuer und noch nicht so leistungsfähig wie ein Mensch. Daher sind Mietmodelle wichtig, um Eintrittsbarrieren zu senken und Innovationen zu ermöglichen. Unternehmen preisen dazu ihre Dienstleistung zum Beispiel in der Menge des gepflückten Obstes oder des entfernten Unkrauts an. Auf Herstellerseite sind die französische Firma Naio Technologies und die dänischen Anbieter Agrointelli und Farmdroid schon mit serien­reifen Modellen im Markt. Naio Technologies arbeitet bereits mit mehr als 100 Farmern in Europa und Kanada, wo es Roboter auf dem Acker oder im Weinbau einsetzt.

Plantage im Supermarkt

Indoor-Anbau für Stadtbewohner

Eine urbane Lösung zum flächensparenden Gemüseanbau bieten automatisierte Anbaukästen für Salate und Kräuter in Supermärkten. Ökologisch bringt das Vorteile mit sich: Durch den Anbau im Laden verkürzen sich Transportwege und nach Angaben von Herstellern wie Infarm sind die Glaskästen pestizidfrei, kommen mit wenig Dünger aus und sparen angeblich 95 Prozent des Wassers herkömmlicher Anbaumethoden. Die Mini-Plantagen sind per Cloud verbunden und steuern Temperatur, Licht und Nährstoffdichte selbst. Zum Farming as a Service gehört noch das Ernten durch die Infarm-Mitarbeiter. Das Start-up ist in sieben europäischen Ländern sowie in Nordamerika vertreten. Kritisiert werden an solchen Indoor-Farming-Konzepten noch der Energie­­verbrauch oder die Frage nach der Keimresistenz der Pflanzen. Aber als eine von vielen Lösungen für eine gesteigerte Lebensmittelversorgung ohne neue Anbauflächen bleibt es interessant.

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